Wird es irgendwann besser? (Ein bisschen Trost.)

Wird es irgendwann besser? Wie oft mir diese Frage schon gestellt wurde. Von Patienten. Von Müttern in der Krise. Von mir selbst, wann immer ich meinte mal wieder grundlegend versagt zu haben. Als Mutter, als Ärztin, als Mensch. Es gibt einen Text, den ich dann lese und der mich immer wieder tröstet.

„Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“ – Rainer Maria Rilke (aus: Briefe an einen jungen Dichter)

Die Fragen selbst liebzuhaben. Nicht zu denken, dass es mir anders gehen sollte, dass ich doch drüber stehen sollte (hat jemals jemand, der das von sich behauptet, wirklich drüber gestanden?), dass ich woanders sein sollte als mittendrin in dem Chaos und dem Schmerz. Wenn ich das schaffe, dann wird es gleich – na ja, ein bisschen besser.

3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Melanie,

    Dieses Zitat liebe auch ich sehr und möchte anfügen, dass ich sehr, sehr gerne hier lese (heute zum ersten Mal) und mich fühle -fast- als läse Ich eigene Gedanken… Damit meine ich keinesfalls es wäre nicht originell. Aber diese Ringen mit dem Schreiben, die Frage nach dem, was uns wirklich ausmacht (als Mutter/Eltern und als Mensch), das Thema des Aushaltens und Jammerns undsoweiterundsofort sind Dinge, die auch mich berühren und beschäftigen. Auch in dem Artikel über die Schmerzen fand ich mich wieder (mir geht es da -leider- ähnlich und ich wundere mich eher, dass diese Frage bisher noch nicht kam; allerdings geht es meiner hochsensiblen und auf bezaubernde aber kräftezehrende Weise originellen Tochter (6) auch nicht viel besser und die Buben sind noch zu sehr mit sich beschäftigt (4 und knapp 2)).Jedenfalls: ich wünsche Dir von Herzen, dass Du die Kraft findest, das auszusprechen, was an der Zeit zu sein scheint. Ich selbst bin sehr beredter Natur und hatte dadurch das Glück, vieles das sich in zwei sehr grausamen Jahren meinen Kindheit angesammelt hatte, nach der „Befreiung“ (durch eine plötzlich gestärkte Mutter; und ich weiß, welch ein großes Glück ich hatte, dies dann hinter mir lassen zu können im Vergleich zu jahrelangen, schleichenden gewaltvollen Umständen…) mit Hilfe einer „sprechenden“ Umgebung aufarbeiten zu können. So. Das war lang. Einen schönen Samstagabend wünsche ich und freue mich auf weiter Artikel –
    Katharina

    P.s.: the goodwife ließ auch mein strenges Über-Ich weinen…; )

    1. Liebe Katharina, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! Das hört sich so an als ob es bei Dir richtig gut gelaufen wäre, also so, dass du gestärkt aus diesen zwei schwierigen Jahren hervorgegangen bist. Was zeigt, wie sehr das „Sprechen“ helfen kann. Ich habe vergessen zu sagen, dass das gar nicht öffentlich passieren muss. Man muss sich gar nicht hinstellen und sagen: Hey Leute, DAS ist mir passiert. Das habe ich nämlich auch nicht vor. Manchmal geht es sogar erst einmal nur darum, dass man sich selbst gegenüber das Schweigen bricht, dass man Dinge, die man immer so behandelt hat als seien sie „kein Problem“, vielleicht doch mal als Problem anerkennt. Und alles Weitere folgt daraus. Danke, dass Du Deine Erfahrung hier teilst. Und Du bist jetzt offiziell der erste Mensch, der meine The Good Wife-Sucht offenbar nachvollziehen konnte. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Trag Dich in meinen Newsletter ein!