Wird es irgendwann besser? (Ein bisschen Trost.)

Wird es irgendwann besser? Wie oft mir diese Frage schon gestellt wurde. Von Patienten. Von Müttern in der Krise. Von mir selbst, wann immer ich meinte mal wieder grundlegend versagt zu haben. Als Mutter, als Ärztin, als Mensch. Es gibt einen Text, den ich dann lese und der mich immer wieder tröstet.

„Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“ – Rainer Maria Rilke (aus: Briefe an einen jungen Dichter)

Die Fragen selbst liebzuhaben. Nicht zu denken, dass es mir anders gehen sollte, dass ich doch drüber stehen sollte (hat jemals jemand, der das von sich behauptet, wirklich drüber gestanden?), dass ich woanders sein sollte als mittendrin in dem Chaos und dem Schmerz. Wenn ich das schaffe, dann wird es gleich – na ja, ein bisschen besser.

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