Warum Therapeuten keine Ratschläge geben

Gestern las ich bei Steffi Luxat über ihr „Emotional Detox“-Wochenende mit einer Psychotherapeutin und darin berichtet sie auch von Erfahrungen mit anderen Psychologen, die – grob zusammengefasst – keine wirkliche Hilfestellung, keine konkreten Antworten liefern würden. Ich glaube, dass ich verstehe, was sie meint, und ich höre diese Klage oft von Klienten und Patienten, aber das Wochenende von dem sie begeistert berichtet klingt für mich nicht danach als hätte sie dieses Mal für ihre Probleme einfach einen Haufen Ratschläge bekommen, sondern nach etwas anderem. Aber dafür muss ich ein bisschen ausholen.

Ich gebe keine Ratschläge. Nicht als Therapeutin, nicht als Coach, und nicht einmal als Freundin. Liegt das daran, dass ich ein gefühlloses Monster bin? (Darüber gibt es noch kein abschließendes Urteil, höhö.) Nein, wenn, dann ist es sogar eher der mitfühlende Teil in mir, der davon Abstand nimmt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass „Ratschläge“ das Wort „Schläge“ beinhaltet. Das ist so ein Sprüchlein, aber es ich empfinde es als sehr nah an der Wahrheit.

Es klingt nach einem weiteren Selbsthilfe-Sprüchlein, aber tatsächlich kann niemand wissen, was für Dich die richtige Lösung ist. Auch kein Therapeut. Niemand hat Deine Erfahrungen, Deinen Körper, Deine Gefühle und Ängste und Wünsche.

Ich bin die Erste, die die Sehnsucht nach Orientierung, nach einer klaren Ansage verstehen kann. Wenn mir etwas wehtut, dann will ich erstens, dass das sofort weggeht und zweitens, dass mir jemand sagt, was ich tun soll. Bisher haben sich aber noch alle Menschen in meinem Leben geweigert mir diesen Gefallen zu tun und dafür muss ich ihnen dankbar sein. Weil ich dann doch immer eine eigene Antwort hatte. Manchmal wollte ich von der nichts wissen bis sie dann quasi tsunamiartig mein Leben verwüstete, manchmal kam sie erst, wenn ich das Problem längst vergessen hatte. Vielleicht gibt es auch Abkürzungen, aber ich glaube für mich hätten sie nie funktioniert. When the student is ready the teacher appears und so.

Darum gebe ich keine Ratschläge. Nicht einmal meinem Mann, bei dem ich natürlich ganz genau wüsste, was er tun und lassen sollte. Mehr schlafen, mehr Wäsche waschen… *hust*

Wenn ich nur einen klitzekleinen Ratschlag geben wollte, dann wäre es der: Fragt nicht nach Ratschlägen. Fragt nicht nach Lösungen, die ein anderer für Euch erdacht hat. Fragt Euch, wo Eure eigene Lösung liegt und räumt alles beiseite, was Euch daran hindert sie zu sehen. Das ist der Teil, den Ihr nicht allein machen müsst. Der Teil für den Ihr Euch Hilfe holen könnt und auch solltet, wenn Ihr leidet. Seid skeptisch, wann immer jemand meint zu wissen, was Euch helfen würde, wann immer jemand einen Satz mit „Du solltest“ (nur rohes Zeug essen/meditieren/Dich mal locker machen) anfängt.

Nur Du kannst das wissen – das wird auch jeder seriöse Therapeut, Coach und sogar Freund respektieren. Und um auf den Artikel von Steffi Luxat zurückzukommen: für mich klingt es so, als habe sie genau das erlebt. Als habe ihre Therapeutin ihr geholfen ihr Inneres so aufzuräumen, dass sie ihre eigenen Antworten (wieder) sehen konnte. Das ist doch Hilfe im besten Sinne (und ich bin auch nur noch ein bisschen beleidigt wegen der Psychologen-Klischees). 🙂

 

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