Warum es Schreibblockaden nicht gibt

Es gibt sie nicht. Sie sind ein Mythos. Das ist eine steile These von jemandem, der seine Autobiographie auch mit „15 Jahre Schreibblockade“ titulieren könnte, aber lasst es mich erklären.

Ich habe schon immer gern geschrieben, aber es war auch schon immer eine ziemliche Quälerei. Ich muss mich beinahe prügeln um mich an den Schreibtisch zu setzen und finde doch nur weniges schöner im Leben als Worte für etwas zu finden. Ich dachte daher lange ich würde damit irgendwelche masochistischen Tendenzen ausleben und tröstete mich, dass wenn dem so sei, ich da ja immerhin einen ganz verträglichen Weg gewählt hätte.

Ich las dann irgendwann von anderen Menschen, berühmten Menschen, die so richtige, echte Bücher veröffentlicht hatten, dass es ihnen nicht anders ging. Dass auch sie sich nicht beseelt morgens hinsetzten und ihre druckreifen Sätze aus der Feder fließen ließen. Dass das Schreiben auch für sie eher was von mühseliger Goldsuche hatte und manchmal 99% der Arbeit für die Tonne waren. Manchmal sogar ganze Bücher.

Über die Jahre – und vor allem die vielen Jahre in denen ich fast gar nicht geschrieben habe – habe ich gemerkt, dass es die Angst vor meinen eigenen Gefühlen ist, die mich vom Schreiben abhält. Und das Wissen, dass ich beim Schreiben nicht lügen kann. Es fühlt sich fast an wie eine magische und dunkle Kraft, die durch mich schreibt, die mir meine Wahrheit aus den Fingern zieht, eine Trance, und plötzlich stehen da Dinge auf dem Papier wie „Meine Beziehung ist gar keine mehr“, „Ich will hier weg“ oder „Ich hasse meinen Job“. Das wollte ich damals, als das auf dem Papier erschien, alles gar nicht wissen. Ich wollte, dass alles weiter funktioniert, auch wenn es mich fast alle Kraft kostete, die ich hatte.

Wahrscheinlich geht es den Menschen, die richtige, echte Bücher schreiben, nicht anders. Auch sie wollen nicht immer wissen, was sie fühlen. Der Unterschied ist, dass sie mutig sind und sich trotzdem an den Schreibtisch setzen. Und auch ich frage mich jetzt immer, wenn mir das Schreiben besonders schwer fällt: „Was ist es, was Du gerade nicht wissen willst?“

Manchmal braucht es dann auch seine Zeit, in der ich nicht schreibe. Man muss nicht alles sofort ans Tageslicht zerren. Aber wenn Du Dich gerade fragst, ob Du eine „Schreibblockade“ hast, und nicht weißt, was Du dagegen tun sollst, vielleicht stellst Du Dir diese eine Frage: „Was ist es, was Du gerade nicht wissen willst?“

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Trag Dich in meinen Newsletter ein!