The Happiness Project oder Die Sache mit dem Nebelglück

Neulich fiel mir „The Happiness Project“ von Gretchen Rubin in die Hände. Mir hat das Buch gar nicht sonderlich gefallen, aber zu Ende gelesen habe ich es dann irgendwie trotzdem. Es kommt selten vor, dass mir eine Autorin einfach nicht sympathisch wird, und wenn, dann lege ich das Buch meistens einfach weg. Aber in diesem Fall bin ich dran geblieben – vielleicht weil ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie es denn um mein eigenes „Glück“ bestellt ist und warum ich mir darüber eigentlich kaum (noch) Gedanken mache.

Die Idee des Buches ist einfach. Ein Jahr lang beschäftigt die Autorin sich jeden Monat mit einem Bereich des Lebens, den irgendwann mal irgendwelche klugen Menschen als für das Lebensglück wichtig erklärt haben – im Januar geht es etwa um das körperliche Wohlbefinden, im Februar um die Ehe, im Juni um Freundschaft, im Oktober um Achtsamkeit und so weiter. Es finden sich viele schöne Gedanken darin, so ist es nicht, aber irgendwie war mir das alles viel zu verkopft und kompliziert.

Früher, so in meinen frühen Zwanzigern ungefähr, hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung vom Glücklichsein. Das war erstens etwas, das ich noch lange nicht erreicht hatte und zweitens etwas, das ich nur unter einer ganz bestimmten Voraussetzung erreichen würde. Unter der Voraussetzung nämlich, dass ich gelernt hätte mich nie mehr unzulänglich zu fühlen, erhaben auf einer Wolke zu schweben und Konflikte nur noch vom Hörensagen zu kennen. Ich würde mich immer total gut finden, mich in Gruppen nie mehr unsicher fühlen, ich würde frei und selbstbestimmt sein und das würde mich dann so richtig glücklich machen. Jugendliche Naivität hat eben viele Gesichter. 🙂

Soviel Selbstbewusstsein bleibt mir natürlich bis heute vergönnt, und ich vermute inzwischen, dass das auch gut so ist. Denn wenn ich mir einen Menschen vorstelle auf den die Beschreibung oben zutrifft, wäre das wohl eine relativ gruselige Type. Nein, die Dreißiger haben bei mir eher Gedanken gebracht wie: Es ist völlig okay, sich unsicher zu fühlen. Es ist okay, verletzlich zu sein. Wenn man sich nicht ständig dagegen stellt, geht das auch einfach wieder vorbei.

Was mir beim Lesen klargeworden ist, ist, dass meine Kinder mich sehr glücklich machen. Auf eine Art und Weise, die die Autorin als „Nebelglück“ beschreibt. Das Kinderhaben involviert ja viele Dinge auf die ich eher wenig bis gar keine Lust habe: ständig verschüttete Getränke aufwischen, nie in Ruhe essen können, Geschrei und Genöle und Wäscheberge bis zur Zimmerdecke. Aber trotzdem ist da dieses Nebelglück, das ich nicht greifen kann, weil ich nicht sagen kann ob es ihre Grübchen überall sind, die mich so froh machen, oder das Tappsen kleiner Füße auf dem Flur oder die lustigen Sachen, die sie ständig sagen. Wenn ich versuche herauszufinden, was an ihnen mich so glücklich macht, verflüchtigt sich das Glücksgefühl sogar. So ähnlich ist es bei mir auch mit dem Schreiben. Eigentlich ist es eine ziemliche Quälerei für mich. Wenn ich nicht schreibe, werfe ich mir vor, dass ich nicht schreibe, wenn ich schreibe, werfe ich mir vor, dass ich nur Mist schreibe. Trotzdem kann ich sagen, dass mich das Schreiben glücklich macht und dass das nichts mit Masochismus zu tun hat – sondern mit Nebelglück.

Kennt Ihr das auch, dieses Nebelglück? Und findet Ihr das nicht irgendwie entlastend? Wo man doch heutzutage soviel an sich rumoptimieren kann. Wo man meint man könne alles eliminieren, was irgendwie nervt und dann wäre man glücklich – und selbst schuld, wenn man es nicht ist. Ich glaube daran nicht. Und lobe mir das Nebelglück solange es da ist. 🙂

 

 

 

 

 

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