Love and Trouble, Superunknown und Eltern-Trotzphase – 5 Freitagslieblinge am 26. Mai 2017

Eine Woche mit vollem, übervollem Kopf. Nicht weil viel los gewesen wäre, wir halten unseren Freizeitstress ja sehr gering, aber ich habe tausend Ideen und Gedanken und wahrscheinlich bräuchte ich auch gerade mal eine Internetpause. Die Freitagslieblinge nutze ich daher diese Woche mal um mich ein wenig zu fokussieren.

Los geht’s wie immer mit dem Buch der Woche. Ich habe gerade das brandneue Buch von Claire Dederer ausgelesen – „Love and Trouble“ . Unter anderem fand ich die Passagen über Seattle in den 80er und 90er Jahren – vor und nach der Geburt des Grunge – interessant (genau am Tag der Nachricht von Chris Cornells traurigem Tod las ich darin die Geschichte vom Spoonman, der in einem Soundgarden-Song verewigt wurde). Claire Dederer erzählt aber vor allem von der Trägheit, die sie überfiel, dem „Soll-das-alles-gewesen-sein“-Gefühl – das sie gar nicht weiter erstaunt hätte, wäre es nicht mit einem plötzlichen, unstillbaren sexuellen Verlangen gepaart gewesen. Wie sie dem auf den Grund geht, der latenten Übersexualisierung ihres Hippieumfeldes in der Kindheit (inklusive bösem Brief an Roman Polanski), der Sexsucht in der Jugend, der Lustlosigkeit nach den Geburten der Kinder – das ist sehr reflektiert und mutig und kein bisschen selbstbezogen, was man solchen Büchern ja gerne mal vorwirft (wenn sie von Frauen geschrieben wurden).

Das Lieblingsessen der Woche. Ach, Essen. Mir schmeckt gerade einfach nichts. Kartoffelbrei geht aber, den gab es gestern.

Mein Lieblingsmoment nur für mich? Photoshop, Tasse Kaffee, „Superunknown“ in Dauerschleife. Ich hatte drei Fotoaufträge in dieser Woche und entsprechend viel zu sortieren und zu bearbeiten. Mit der richtigen Musik liebe ich das. (Habe ich erwähnt, dass mich das mit Chris Cornell schon sehr traurig macht?)

Den Lieblingsmoment mit den Kindern hatte ich als wir am Dienstag auf dem Heimweg vom Kindergarten noch bei den Rapsfeldern angehalten haben und eine Runde spazieren gegangen sind. Die Jungs waren glücklich mit ein paar Pusteblumen, mir haben die Weite und die Ruhe auch sehr gut getan. Irgendwann erwähnte ich, dass es vielleicht noch gewittern könnte. Da wollte der Große sofort nach Hause, ließ sich auch nicht umstimmen dadurch, dass es ja sicher noch dauern würde bis dahin. Er hatte eigentlich nie sonderlich ängstlich auf Gewitter reagiert, daher war ich etwas verwundert. Zurück im Auto erzählte er aber, dass er Angst habe vom Blitz getroffen zu werden. Oder dass der Blitz in unser Haus einschlagen könnte und wenn wir zurückkämen, wäre es kaputt. Irgendwo muss er das aufgeschnappt haben, dass Blitze irgendwo einschlagen. Oder es war einfach seine Fantasie. Für mich war das eine gute Erinnerung daran, dass Ängste für Kinder (für alle eigentlich) immer real sind, auch wenn sie nicht immer (sofort) mitteilen können, was genau sie ängstigt. Einen Vierjährigen kann man noch nicht mit Wahrscheinlichkeiten beruhigen – und so gesehen auch keinen Erwachsenen. Sonst müssten wir alle mehr Angst vor den Fahrten zum Flughafen haben als vor Flugzeugabstürzen. Oder mehr Angst vor dem plötzlichem Herztod als vor Terroranschlägen.

Die Inspiration der Woche kommt von Susanne, deren extrem lesenswerten Blog „Notyetaguru“ ich kürzlich entdeckt habe. In ihrem Beitrag „Familienpolitik: Gehts noch? Warum Eltern mal ganz hurtig in die Trotzphase kommen sollten bevor die Bundestagswahl vorbei ist“ regt sie sich so richtig gründlich über deutsche Familienpolitik auf – fundiert und dabei mit einem Galgenhumor, der total mein Ding ist. Zitat?

Hätten wir uns ja alles vorher überlegen können? Wie das so geht dann, überhaupt und ob und vor allem mit wem? Und besser planen! Was anderes studieren! Einen Beruf aussuchen, der vereinbar ist mit dem Elternsein (Privatier/-euse?, Bestseller-AutorIn, Frau/Mann eines Ministers, Oligarchen-Kind, Pop-Sternchen, SchleusenwärterIn, Kim Kardashian)? Und: Immer regelmäßig etwas für die psychische und physische Gesundheit tun! Stimmt kommt zu kurz. Scheiß Erreichbarkeit. Apropos: UND ARBEITEN IMMERZU IN VOLLZEIT DAMIT ES HINTEN UND VORNE EIN BISSCHEN REICHT! Und die Wirtschaft erblüht. Tja.

Ich konnte mich früher auch wunderbar über all die Ungerechtigkeiten aufregen, aber dann habe ich ein paar Mal zu oft den Vorwurf a) des realitätsfernen Idealismus, b) der Persönlichkeitsstörung, c) des allgemeinen Unerleuchtetseins, d) der Dummheit, e) irgendeines anderen x-beliebigen Bullshittes und f) auch sehr konkret was auf die Mütze bekommen. Also habe ich mir das aberzogen, was sehr auf Kosten meines Energielevels geht. Um das wäre es wahrscheinlich besser bestellt, müsste ich nicht ständig mein inneres Rumpelstilzchen unter Kontrolle halten. Darum danke, liebe Susanne, dass Du Dich so wunderbar klug und unterhaltsam aufregen kannst. So lange mir das noch nicht selbst gelingt, teile ich hier von Herzen gerne Deine Beiträge.

Habt ein schönes, aufregendes (:D) Wochenende, und mehr Freitagslieblinge findet Ihr wie immer bei BerlinMitteMom.

 

 

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