Ich will so schreiben wie mein Kind malt

Es war schon wieder still hier in den letzten Wochen. Das lag zum einen daran, dass der Kindergarten geschlossen hatte, wir ein bisschen Urlaub gemacht und dem Regen zugeschaut haben, aber es hatte auch noch einen anderen Grund. Es gibt eine Art Rhythmus, dem ich unterliege und den ich erst allmählich verstehen und akzeptieren lerne. Im Nachhinein erkenne ich genau, dass auf jede Phase in der ich mehr nach außen gehe, mehr von mir veröffentliche oder teile, eine Phase folgt, in der ich wieder nach innen gehe. Ich frage mich sehr oft, was ich eigentlich teilen will, und warum, und in welcher Form. Das sind vielleicht ganz normale Selbstzweifel, aber es ist auch noch etwas anderes.

In den letzten Monaten habe ich angefangen ein Buch zu schreiben, oder eher fünf verschiedene, und keines davon ist über die ersten drei Seiten hinausgekommen. Ich habe mir sagen lassen, dass es diese Phase bei jedem größeren Projekt gibt, dass jeder Autor an einen Punkt kommt, an dem er den Computer aus dem Fenster werfen möchte, weil er so ausgemachten Mist produziert. Bei mir kommt dieser Punkt nur leider nach drei Seiten. Oder noch bevor ich überhaupt anfange.

Darum fragte mein Mann heute: „Warum willst du das dann überhaupt, wenn du dich so damit quälst?“

Eine berechtigte Frage.

Die Antwort: Weil ich trotzdem nichts lieber tue. Weil ich es tun muss, und weil das, was man tun muss nicht immer das Einfachste ist. Und weil, wenn man 86 Mal ein Buch anfängt, man am Ende auch ein Buch hat. Vielleicht ist das einfach meine Art zu schreiben. Ich wäre gerne so schön geordnet, würde so gerne in wohlgeformten Paketen denken, die man fein säuberlich – Anfang, Mitte und Ende – zu Papier bringen kann. Aber ich bin da eher wie die Werke von meinem Sohn, die er gerade gerne mit dem Filzstift malt. Die Hälfte des Blattes bleibt leer. In die Mitte hat er wild ein paar Punkte gehauen. Und unten links hat er den Stift so fest aufs Papier gedrückt, dass es eingerissen ist.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so etwas produzieren kann. Wenn ich zulasse, dass es aussieht wie die Bilder von meinem Sohn. Er hat damit ja auch kein Problem. Im Gegenteil, er hat einen Riesenspaß dabei. Und vor allem macht er sich nicht verrückt, wenn er auf das nächste Blatt vielleicht was völlig anderes malt, lauter Kreise zum Beispiel. Er denkt nicht darüber nach, ob das jetzt sein „Stil“ ist, ob er sich damit noch treu bleibt oder ob er doch lieber wieder Punkte aufs Blatt hauen sollte, weil er das nunmal gut kann. Ich klinke mich immer wieder aus, weil ich mich ständig verändere. Weil mich ständig neue Dinge interessieren, oder ich gerade in irgendeinem Zwischenraum zwischen einer Idee und der nächsten hänge. Das ist der Rhythmus, in dem ich mich bewege, und ich versuche immer wieder darin einzugreifen und irgendetwas Statisches zu destillieren, das ich dann in eine Blog- oder eine Buch-Form geben kann. Ich bin mir sicher, dass das nicht nur mir so geht, aber ich habe damit so sehr gehadert, dass mein Schreiben dadurch – und nicht nur durch meine Selbstzweifel – immer wieder ins Stocken geraten ist.

Dabei muss ich es nur so machen wie mein Sohn. Wenn ich seine Bilder nebeneinander klebe, dann sehe ich vor mir das Leben selbst. Auch wenn keins zum anderen passt. Gerade weil keins zum anderen passt. Sortieren kann man immer noch hinterher. Und veröffentlichen muss man auch nicht alles. Aber nur so kann ich schreiben, und schreiben ist das, was ich will.

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