Hausbesuche, Yoga und fragwürdige Erbschaften – 5 Freitagslieblinge am 9. Juni 2017

Freitag, Zeit für die Freitagslieblinge! Wer es noch nicht weiß, die BerlinMitteMom hat diese Serie ins Leben gerufen, um auf die guten Dinge der vergangenen Woche zurückzuschauen, und da bin ich mit vielen anderen gern dabei.

Mein Buch der Woche habe ich gerade erst angefangen, aber ich bin allein von der Idee schon restlos begeistert. Stephanie Quitterer hat ihre Elternzeit damit verbracht sich bei 200 wildfremden Menschen in ihrer Berliner Gentrifizierungs-Hochburg-Nachbarschaft auf selbst mitgebrachten Kuchen einzuladen. Bei eher begrenztem Backtalent und nicht gerade extrovertiertem Naturell, wovon ich erstmal selbstverständlich ausging, sondern eher bei ausgeprägter Schüchternheit. Ich hab also fortan keine Entschuldigung für gar nichts mehr. Wenn eine selbsternannte Sozialphobikerin sowas reißen kann, ja dann – dann fallen mir für sehr viele Dinge eigentlich auch keine Ausreden mehr ein. Ich bin, wie gesagt, noch nicht weit gekommen, aber in die Sprache bin ich schonmal sehr verliebt und diese Sätze habe ich mir sofort rausgeschrieben:

Ich will üben, jeden Menschen erst kennenzulernen, bevor ich ihn einteile. Nicht umgekehrt. Und irgendwann, in weiter Ferne, wenn ich den Schwarzen Gürtel in „Menschen“ hab, fang ich vielleicht sogar an, das Einteilen wegzulassen.

Mein Lieblingsessen der Woche war eine ganz traumhafte Zimtschnecke. Die gibt es da, wo ich neuerdings zum Yoga gehe (gute Idee, übrigens, ich war da immer skeptisch, aber es tut mir sehr gut). Kann gut sein, dass ich – welchen Effekt Yoga auch immer hat – diesen gleich im Anschluss mit Zimtschnecken zunichte mache, aber etwas, das so lecker ist, kann doch nichts Schlechtes sein. 🙂

Meinen Lieblingsmoment nur für mich hatte ich denn auch beim Yoga. Das ist noch eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit, weil mir fünf Jahre durchgehendes Schwangersein, Stillen und Kinder tragen bei null Bewegung ziemlich tief in den Knochen stecken. Ich bin ein Sporthasser (weil ich beim Schulsport immer ein Gurke war, wie Andrea Harmonika mal so wunderschön schrieb), aber ich musste mir eingestehen, dass diese Haltung jenseits der Dreißig nicht mehr ganz so folgenlos bleibt wie davor. Beim Yoga habe ich das Gefühl aus einem tiefgefrorenen Zustand langsam aufzutauen und das macht so eine komische Mischung aus Schmerz und Wohlgefühl. Das gefällt mir (noch).

Mit den Kindern ging es mir irgendwie nicht gut diese Woche. Ich war gereizt, schlecht gelaunt, und wie das mit den lieben Kleinen so ist, entgeht ihnen das natürlich nicht und ansonsten harmlose Situationen arten dann gerne mal in verzweifeltes Chaos aus. Aber hier geht es ja um die guten Momente, die Lieblingsmomente mit den Kindern, und von denen gibt es natürlich trotzdem reichlich. Mein kleiner Sohn macht gerade mal wieder eine Sprachexplosion durch und ich freue mich jedes Mal über diese niedlichen kleinen Fehler, wie wenn er „Flaschenzug“ zu Schlafanzug sagt oder „pubriern“ statt probieren. Auch der Große kommt noch mit schönen Wortschöpfungen daher, so wie neulich, als er aus einer alten Flasche trank und mir erklärte „Mama, das ist kein schmeckiges Wasser“. Mir ist klar, dass man das nur als Mutter niedlich findet, aber sei’s drum. Selbst mein Mann hat nicht diese richtig tiefe Freude daran, aber ich hab ja auch diese Familienkrankheit mit Worten: schon mein Opa hat ständig Worte wiederholt, die er schön fand. Er lief immer in der Küche auf und ab und sagte alle paar Schritte „Isso é um problema“ und dabei betonte er nicht die zweite Silbe, wie es sich gehört, sondern die erste, und darüber beömmelte er sich dann jedes Mal. Schräg, ich weiß, aber von allen Dingen, die man so erben kann hab ich’s doch damit ganz gut getroffen. 😉

Die Inspiration der Woche kam dieses Mal von meiner Kollegin Isabel. Die hat sehr viele Talente, unter anderem auch das Talent in meinen beschissen-schlimmsten Wochen Texte zu veröffentlichen, die sich sofort wie ein warmer, tröstlicher Mantel um mich legen und mich an Dinge erinnern, die ich eigentlich weiß und trotzdem immer wieder vergesse und dafür möchte ich ihr eigentlich mal die Füße küssen. Ich werde eigens dafür mal nach Köln fahren. Zum Beispiel schrieb sie diese Woche das hier:

Ja, manchmal sind ist es die Mütter schuld, wenn es den Kindern schlecht geht. Wenn sie sich nicht wohl fühlen in der Familie, in ihrem Alltag. Wenn sie Auffälligkeiten im Verhalten oder den Emotionen zeigen. Es ist gut, das zu erkennen und anzuerkennen. Als Mama hast Du einen großen Einfluss auf die Familie. Happy wife, happy life! Fühlst Du Dich schlecht und unwohl in Deiner Haut, dann wird das Einfluss auf das Wohlbefinden der anderen Familienmitglieder haben. Auf die ein oder andere Art und Weise. Weil Du destruktive Schwingungen in die Familie mitbringst. Nicht ganz da bist. Genervt wirst. Oder einfach nicht in Deiner Mitte bist. So ist das halt. Das Problem an der Sache: das Wissen um die negativen Auswirkungen von mütterlichem Stress auf das Kind … verstärkt den Stress meistens! Denn dann fühlst Du Dich nur noch schlechter. Deswegen das Credo: don’t blame the mother. Du gibst Dein Bestes. Tag für Tag. Auch wenn das manchmal nicht besonders viel ist.

Hier könnt Ihr den ganzen Text nachlesen, was ich Euch sehr ans Herz lege. Und jetzt wünsche ich Euch ein schönes Wochenende, in Eurer Mitte, mit ganz viel Liebe (auch für Euch selbst). Mehr Freitagslieblinge findet Ihr wie immer bei BerlinMitteMom gesammelt.

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